Teilprojekt: Betriebsmanagement - BS Pfarrkirchen - Dr. Michael ZaunerDezember 2000 - Seite als Word- bzw. PDF- Dokument - weitere Ansichten bitte ins Landforum eintragen:
2. Visionen für den Pflanzenbau
3. Perspektiven für Milchviehhalter Der Strukturwandel in Richtung auf weniger und größere Betriebe wird sich fortsetzten, infolge der Verfügbarkeit neuer Technologien wahrscheinlich sogar beschleunigen. Wenn auch speziell die AMS (automatisches Melksystem) –Technik die Standardisierung der Milchproduktion verbessert und damit arbeitsteilig organisierte Großbetriebe tendenziell begünstigt, ist unter deutschen Standortbedingungen auf absehbare Zeit nicht mit einer Dominanz „industrieller" Tierhaltung in der Milchviehhaltung zu rechnen. Der Trend dürfte eher zum „erweiterten Familienbetrieb" gehen. Die neuen Technologien werden in den Milchviehbetrieben zu einer erheblichen Erweiterung des Leistungspotentials je Arbeitskraft führen. Um diese Potentiale auszuschöpfen, sind Betriebserweiterungen, Flächenarrondierung etc. in großem Stil notwendig. Wenn sich diese am Standort Deutschland nicht umsetzen lässt, ist längerfristig ein erheblicher Verlust von Marktanteilen vorprogrammiert. Die Marktentwicklung wird durch die weltweit wachsende Nachfrage nach Milchprodukten bestimmt. Zur Frage, ob das Angebotswachstum in den verschiedenen Erdteilen hiermit Schritt halten kann, werden unterschiedliche Einschätzungen vorgetragen. Aus diesem Grund gibt es auch abweichende Bewertungen der künftigen Entwicklung der Weltmarktpreise. Die Produktionsstrukturen werden sich zunächst in den bekannten Mustern weiterentwickeln: Kleinbetriebe geben auf, und der erweiterte Familienbetrieb wird weiter an Bedeutung gewinnen. Mit der verbreiteten Einführung automatischer Melksysteme (AMS) kann es jedoch zu Strukturbrüchen kommen. Auch zu dieser Frage gibt es noch unterschiedliche Auffassungen der Experten. Einige erwarten von der neuen Technologie eine Stabilisierung der Familienbetriebe, andere eine Stärkung der arbeitsteilig organisierten Großbetriebe. Es ist anzunehmen, dass auch die Fortschritte in der Biotechnologie zu einer weiteren Beschleunigung des Strukturwandels führen. Ob sich im Bereich der Biomedizin ganz neue Produktrichtungen in nennenswerten Umfang etablieren werden, kann derzeit noch nicht zuverlässig eingeschätzt werden. Bei den Verarbeitungsstrukturen wird sich der Trend zur Zusammenlegung und Vergrößerung von Unternehmen ebenfalls fortsetzen. Hier gehen die entscheidenden Impulse vom Lebensmittelhandel aus. In bestimmten Regionen werden Landwirte ihre Milch nur noch an einen einzigen Abnehmer liefern können. Diesem Trend mit den Mitteln des Kartellrechts entgegenzutreten, erscheint wenig erfolgversprechend. Lieferantenzusammenschlüsse werden unverzichtbar. Die internationale Wettbewerbsfähigkeit größerer deutscher Milchviehbetriebe ist innerhalb der EU günstig einzuschätzen. Gegenüber den Standorten auf der Südhalbkugel der Erden, an denen ganzjährig Weidehaltung möglich ist, bestehen deutliche Wettbewerbsnachteile. Infolge der unzureichend entwickelten Produktionsstrukturen weist die Mehrzahl der deutschen Betriebe allerdings auch Kostennachteile gegenüber Standorten auf, die über keine klimatischen Vorteile verfügen (z.B. Großbritannien, USA). Zur Frage, inwieweit rechtliche Rahmenbedingungen für Kostennachteile am Standort Deutschland verantwortlich sind, besteht Forschungsbedarf. Welche Schlussfolgerungen für die Agrarpolitik man aus diesen Einschätzungen zieht, hängt unter anderem davon ab, welche Vorhersage über die Geschwindigkeit des Liberalisierungsprozesses im Agrarbereich getroffen wird. Wenn die Liberalisierung umgesetzt wird (und darüber wird auch von Nicht- Agrariern entschieden), dann hängt das Schicksal der deutschen Landwirtschaft in erster Linie von ihrer künftigen Wettbewerbsfähigkeit ab. Aus diesem Grunde werden Grundzüge einer auf Wettbewerbsfähigkeit ausgerichteten Agrarpolitik dargestellt:
4. Die Zukunft der Veredelungswirtschaft Wie könnte sich die Struktur der deutschen Fleischproduktion in den kommenden zehn bis zwölf Jahren entwickeln? Vier Schauplätze sind hierfür maßgeblich:
Über Erfolg und Misserfolg der Erzeuger und der nachgelagerten Industrie entscheiden die Antworten, die auf diese Herausforderungen gegeben werden. Bei der Entwicklung der Marktprodukte (1.) ist die Orientierung auf die Zielgruppe entscheidend. Hier muss der geänderten Alters- und Sozialstruktur der Bevölkerung ebenso Rechnung getragen werden wie die Globalisierung der Märkte. Die Notwendigkeit der Anpassung ergibt sich aus: Der wachsenden Zahl älterer Bevölkerungsgruppen, Einer zunehmenden Zahl an Single- Haushalten, Einem Trend, immer mehr Mahlzeiten außer Haus einzunehmen, Einer steigenden Nachfrage nach vorgefertigten Komponenten für Großverbraucher, Einem wachsenden Nahrungsmittelmarkt für Bevölkerungsgruppen unterschiedlicher ethnischer Prägung, Guten Absatzmöglichkeiten für qualitativ hochwertige Produkt auf dem Weltmarkt. Hinsichtlich der Produktsicherheit (2.) sowie Herkunfts- und Qualitätssicherung bestehen zum Aufbau vertikal integrierter Produktionsketten mit Herkunfts- und Qualitätssicherungssystemen keine Alternativen. Das zeigen aktuelle Diskussionen um Schweinepest, BSE und Hormonfütterung in der Kälbermast. Daraus entstehen Forderungen nach einer größeren Produktsicherheit und einer lückenlosen Dokumentation der Herkunft. Tiergesundheit, Tierschutz und Umweltverträglichkeit (3.) und (4.) sind Forderungen, die gerade von der nachwachsenden Generation immer deutlicher artikuliert werden. Wer als Erzeuger und Vermarkter von tierischen Nahrungsmitteln auf die Dauer nicht in der Lage ist, den Nachweis einer umweltverträglichen und tiergerechten Produktion zu organisieren, kann diese Kunden nicht gewinnen. Hier nehmen die großen Einzelhandelsketten in Großbritannien eine Vorreiterrolle ein. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis die dort formulierten Standards auch in anderen Staaten der EU gefordert werden. Die Devise heißt, sich rechtzeitig auf solche Entwicklungen einzustellen. Für das Jahr 2010 zeichnet sich für die Schweine- und Rindfleischproduktion folgende Szenarien ab. Für die Schweineproduktion kann dabei von folgender These ausgegangen werden:
Fünf Handlungsfehler sind vorrangig zu bearbeiten:
In der Mastrindfleischproduktion sind folgende sechs Handlungsfelder von vorrangiger Bedeutung:
5. Nachhaltige Tierproduktion Nachhaltige Tierproduktion kennzeichnet Formen der Nutztierhaltung, die darauf ausgerichtet sind, qualitativ hochwertige Produkte für den menschlichen Verzehr und/ oder die nachgelagerte Industrie zu erzeugen. Bei der Produktion werden das natürliche Verhalten der Nutztiere und ihr Wohlergehen berücksichtigt. Alle Schritte des Produktionsvorganges werden kontrolliert und dokumentiert, um die Herkunft des Produktes nachvollziehen und seine Sicherheit garantieren zu können. Die Produktion findet in regional autarken Produktionssystemen statt, um lange Tiertransporte unnötig zu machen und das Seuchenrisiko zu minimieren. Die Aufrechterhaltung der Tiergesundheit ohne Einsatz von Antibiotika ist anzustreben. Hierbei sind neue Wege in der Haltung der Nutztiere, der Seuchenhygiene und der Impfprophylaxe (Einsatz gentechnische hergestellter Impfstoffe) zu bestreiten. In der Verbindung mit der pflanzlichen Erzeugung werden geschlossene Nährstoffkreisläufe auf lokaler- bzw. regionaler Ebene angestrebt. Die Produktion innerhalb der gesamten Produktionskette ist so zu organisieren, dass negative Auswirkungen auf den Boden, Wasser und Luft möglichst gering gehalten werden, um eine langfristige Bodenfruchtbarkeit zu sichern und den Lebensraum der Menschen nicht zu gefährden. |
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