Weizenanbau und Fruchtfolge

Weizen ist die dominierende Kulturart im Getreidebau. Seit 1975 erfolgte eine ständige Intensivierung des Weizenanbaus sowohl bezüglich des Anteils in der Fruchtfolge als auch bezüglich der Steigerung der Produktivität des Anbaus.
Der Anteil von Getreide und im speziellen von Weizen in der Fruchtfolge wird deshalb besonders stark vom agrarpolitischen Umfeld beeinflusst; die Betrachtung der pflanzenmedizinischen Probleme kann lediglich aufzeigen, welche biotischen Faktoren zusätzlich für den Weizenanbau limitierend wirken.

Weizen braucht ein eher warmes Klima und eine jährliche Niederschlagsmenge von etwa 800 mm. Ausserdem verlangt diese Kulturart Böden mit hohem Tonanteil und guter Wasserkapazität. Beim Weizenanbau handelt es sich um ein relativ komplexes annuelles System mit vielen Schaderregern. Die Entwicklung des Weizens verläuft relativ schnell und kurz. Die Vorfrucht in der Fruchtfolge, die Bodenbearbeitung, der Saatzeitpunkt, die Sortenwahl, die Düngung, usw. sind wichtige Einflussfaktoren für einen erfolgreichen Anbau. Weizen verlangt als Vorfrüchte Kulturen, die das Feld früh räumen, es unkrautfrei halten und den Boden in guten Garezustand mit leicht aufnehmbaren Nährstoffen zurücklassen; gut geeignet sind z. B. Ölfrüchte, mit Stallmist gedüngte Hackfrüchte und Leguminosen.

Durch den massiven Einsatz von chemischen Pflanzenschutzmitteln (PSM) ist es zu einer Verarmung der Nützlingsfauna und der Antagonistenflora gekommen, womit durch fehlende Pufferung die Labilität der Getreideagroökosysteme zunimmt. Heute machen die Krankheiten den Fungizideinsatz zum integralen Bestandteil des intensiven Weizenanbaus. Dabei ist die Entwicklung von Resistenz gegen Fungizide bei verschiedenen Pathogenen besonders kritisch. Alle pflanzenmedizinischen Probleme werden in Zukunft zunehmen, wenn der Weizenanbau auf diesem Intensitätsniveau bleibt oder dieses sogar noch zunimmt; dies gilt insbesondere dann, wenn nur eine oder sehr wenige verschiedene Sorten angebaut werden.

Die wichtigsten Krankheiten und Schädlinge sind nachfolgend aufgelistet:

  • Braunrost
  • Spelzenbräune
  • Halmbruchkrankheit
  • Mehltau
  • Schneeschimmel
  • Gelbrost
  • Stinkbrand
  • Flugbrand (Ustilago spp.)
  • Ährenfusariosen (Fusarium spp.)
  • Schwarzbeinigkeit (Gaeumanomyces graminis)
  • Scharfer Augenfleck (Rhizoctonia cerealis)
  • Schwarzrost (Puccinia graminis; vorwiegend auf Sommerweizen)

Schädlinge:

  • Getreideblattläuse (Sitobion avenae, Metopolophium dirhodum, Rhopalosiphum padi)
  • Getreidehähnchen (Oulema melanopa, Oulema lichenis)
  • Nematoden (Heterodera avenae, Ditylenchus dipsaci und Pratylenchus spp.)


Für die Fruchtfolge limitierenden phytomedizinischen Probleme:

  • Halmbruch fordert einen Anbau-Unterbruch von drei Jahren zwischen seinen Wirtspflanzen.
  • Schwarzbeinigkeit macht eine Anbaupause von ein bis drei Jahren zwischen den Wirtspflanzen notwendig.
  • Schneeschimmel: die Bodenverseuchung mit diesem Krankheitserreger spielt in schneereichen Lagen eine wichtige Rolle; konkrete Angaben über die Wirkung von Anbau-Unterbrüchen liegen nicht vor.
  • Ährenfusariosen gehören nicht zu den eigentlichen Fruchtfolge-Krankheiten. Es ist jedoch Vorsicht geboten, wenn in der Fruchtfolge auch Mais angebaut wird, der diese Krankheit fördern kann.
  • Das Getreidehähnchen hat seit der Intensivierung des Getreideanbaus zugenommen; mit zunehmender Intensität ist auch eine Zunahme dieses Schädlings zu erwarten.
  • Nematoden, besonders das Getreidezystenählchen werden durch eine Ausdehnung der Getreideflächen und der Zunahme des Getreideanteils in der Fruchtfolge begünstigt. Deshalb wird ein maximaler Weizenanteil von 50% empfohlen.

Bei zunehmendem Anteil an Weizen und Gerste in der Fruchtfolge ist mit einem deutlichen Ertragsabfall dieser Kulturen zu rechnen, da pilzliche und tierische Schaderreger stark zunehmen und die Verunkrautungsprobleme an Bedeutung gewinnen. Weizen ist nicht selbstverträglich, weil er besonders anfällig für Fusskrankheiten ist; dabei sind v.a. Wintersaaten betroffen. In Untersuchungen von Weizenmonokulturen wurde eine massive Zunahme von Halmbruch und Schwarzbeinigkeit festgestellt, die zu stärksten Ertragsverminderungen führten. Der erhöhte Befall wurde dabei auf die verschlechterte Bodenstruktur zurückgeführt. Je enger die Folge von Weizen oder Weizen und Gerste gewählt wird, desto wichtiger wird es, die Infektionsquellen zu beseitigen (Stoppeln). Allgemein kann festgestellt werden, dass wiederholter Weizenanbau die Bodenstruktur verschlechtert, die Zufuhr an organisch gebundenem Stickstoff sowie die Unterbodenzugänglichkeit vermindert, die biotische Aktivität des Bodens senkt und die Vermehrung der Ungräser, insbesondere der Quecke, fördert. Deshalb ist mit steigendem Getreide-, insbesondere Weizenanteil in der Fruchtfolge größter Wert auf eine gute Nährstoffversorgung, beste Bodenbearbeitung (trockene, d.h. frühe Pflugfurche) und Ungräserbekämpfung (z.B. mehrfache Bearbeitung zwischen Pflug und Saat) sowie auf ausreichende Versorgung mit organisch gebundenem Stickstoff (Gründüngung) zu legen. Schließlich müssen Stroh und Stoppeln möglichst rasch und sorgfältig beseitigt werden.

Ein maximaler Fruchtfolge-Anteil von 25% Weizen wäre deshalb ideal, wird aber in der Schweiz nicht realisiert, weil Weizen eine so wichtige Getreideart ist. Heute wird im konventionellen und integrierten Landbau ein Anteil von maximal 50% empfohlen.


Quelle: TA-Materialien, www.bats.ch

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