Zuckerrübenanbau und Fruchtfolge

Die Zuckerrübe stellt recht hohe Ansprüche an den Boden, welcher tiefgründig und wasserdurchlässig sein sollte. Neben den abiotischen Faktoren gibt es mehrere biotische Einflussgrößen, die den Anbau der Zuckerrübe einschränken. Auch ökologische Probleme sind nicht zu vernachlässigen. Zuckerrübenanbau bringt ein erhöhtes Risiko für Bodenerosion, Nährstoffauswaschung und Oberflächenabfluss mit sich, da der Boden erst ab Mitte Juni bedeckt ist. Der routinemäßig, prophylaktische Granulateinsatz gegen den Rübenerdfloh beeinträchtigte massiv die Bodenlebewesen. Allerdings ist jetzt ein systemisches ökologisch unbedenklicheres Beizmittel in die Praxis eingeführt worden, das jedoch eine sehr lange Lebensdauer besitzt. Da generell Vorauflaufherbizide verwendet werden, gibt es oft zu wenig Ablenkfutter für Schädlinge. Vielerorts werden die Feldränder totgespritzt und ein so wertvolles Nützlingsreservoir beseitigt. Schließlich entsteht bei der Ernte ein erheblicher Bodenverlust, weil durchschnittlich etwa acht Gewichtsprozent Erde mitgeerntet und abtransportiert werden. Die Stellung der Zuckerrübe in der Fruchtfolge wird heute durch anbautechnische und phytomedizinische Probleme bestimmt und limitiert. Mais sollte nicht als Vorfrucht angebaut werden, weil die Gefahr von Bodenverdichtungen, Herbizidnachwirkung und Beinigkeit der Rüben groß ist. Im weiteren sollten Zuckerrüben nicht im ersten oder zweiten Jahr nach Wiesenumbruch angebaut werden, da sonst mit Verlusten durch Bodenschädlinge gerechnet werden muss. Schließlich wird wegen Wurzelbrand eine Anbaupause von vier, wegen der Gefahr von Nematodenverseuchung von fünf bis sieben Jahren empfohlen. Aus diesem Grund sollte auch auf den Anbau anderer Gänsefußgewächse und Kreuzblütler (Raps) als Hauptkultur verzichtet werden.

Den vermutlich weitaus größten Effekt für nematodenverseuchte Gebiete würde die Einführung transgener, nematodenresistenter Sorten mit sich bringen. Wenn nun eine Zuckerrübensorte mit kombinierter Resistenz gegen Wurzelbrand und Nematoden zur Verfügung stünde, wäre eine Reduktion der Anbaupause auf ein bis drei Jahre möglich. In den 70er Jahren wurde bereits von ein- bis zweijährigen Anbaupausen in nematodenfreien Gebieten in Italien und Frankreich berichtet. Allerdings müsste in solch engen Fruchtfolgen mit gravierenden Bodenstrukturschäden gerechnet werden, was wiederum eine Beschränkung des Zuckerrübenanbaus führen wird. Man kann annehmen, dass v.a. durch kombinierte Resistenzen in neuen Zuckerrübensorten eine Einengung der Fruchtfolge möglich wäre. Außerdem würde die Ertragssicherheit erheblich gesteigert und die Ertragsverluste minimiert werden. Durch das Zusammenspiel dieser drei Faktoren wäre ein Rückgang der gesamten Zuckerrübenanbaufläche zu erwarten, falls die Zuckerrübenfabriken ihre Produktion nicht ausweiten. Da die Anbaufläche für Zuckerrüben grundsätzlich von den Zuckerfabriken festgelegt wird, ist dagegen eine Ausdehnung der Flächen eher unwahrscheinlich, solange die verarbeitende Industrie ihre Kapazitäten und ihre Produktpalette (z.B. Ethanolherstellung) nicht erweitert. Dadurch das die Ertragssicherheit über den Anbau transgener krankheits- und schädlingsresistenzer Sorten gesteigert werden wird, ist es sogar möglich, dass die Zuckerrübenflächen reduziert werden müssen. Mit einiger Wahrscheinlichkeit würden die konventionellen Sorten von den transgenen abgelöst werden, da sie auch ohne Befallsdruck gleich hohe Erträge liefern, wie nichtresistente Hochertragssorten. Dies bedeutet v.a. für Landwirte in Randgebieten verseuchter Regionen eine erhöhte Ertragssicherheit. Mit dem Anbau einer resistenten Sorte wäre der Erdrückschub von Verladestellen und Zuckerfabriken weniger bedenklich. Eine Intensivierung des Zuckerrübenanbaus auf den einzelnen Betrieben ist aus dem ökologischen Blickpunkt gesehen nicht wünschenswert, da sie unweigerlich zur Beeinträchtigung der Bodenfruchtbarkeit führen würde; besonders wenn man bedenkt, dass das System Boden, nicht zuletzt bezüglich Krankheiten und Schädlingen, ein wichtiges Puffersystem darstellt.

Krankheiten:

  • Auflaufkrankheiten (Wurzelbrand; Pythium-, Aphanomyces- und Fusarium-Arten)
  • Cercospora-Blattflecken (Cercospora betae)
  • Ramularia-Blattflecken (Ramularia beticola)
  • Rhizomania-Virus (BNYVV)
  • Vergilbungsvirus (BMYV)

Schädlinge:

  • Rübenerdfloh (Choatochema-Arten)
  • Rübenkopfälchen (Ditylenchus dipsaci)
  • Rübensystennematoden (Heterodera schachtii)
  • Blattläuse
  • Ackerschnecken und Erdschnakenlarven


Quelle: TA-Materialien, www.bats.ch

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