Mohn - Eine alte Kulturpflanze erwacht aus ihrem Dornröschenschlaf

Oliver Wellie-Stephan, DSV Lippstadt

Im Jahr 1978 wurde der Mohnanbau in das Betäubungsmittelrecht einbezogen, um dem Mißbrauch seines Inhaltsstoffes Morphin zu Drogenzwecken vorzubeugen. Dies bedeutete faktisch das Ende der landwirtschaftlichen Nutzung des Mohns. Denn der Anbau war nur noch auf kleinen Flächen mit betäubungsrechtlicher Erlaubnis der Bundesopiumstelle möglich, mit hohen Auflagen verbunden und damit unwirtschaftlich. Nur in der ehemaligen DDR, insbesondere in den heutigen Bundesländern Thüringen und Sachsen-Anhalt,wurde bis Ende der 80er Jahre auf einer Fläche von ca. 5000 ha die Speisemohnproduktion betrieben. Nach der Wende verschwanden aber auch hier die blühenden Mohnfelder. Mit der Zulassung der ersten morphinarmen Sorte der DSV Deutsche Saatveredelung Przemko ist der großflächige Anbau nun wieder möglich.

Schon Pharaonen und römische Kaiser schätzten den Mohn

Die Heimat des Schlafmohns (Papaver somniferum L.) ist wahrscheinlich wie bei vielen anderen unserer Kulturpflanzen Vorderasien. Im Laufe der Jahrhunderte breitete sich der Anbau dann weiter nach Norden aus. Der Mohn ist eine der ältesten Kulturpflanzen, deren Kultivierung bis in die Jungsteinzeit (4600-3800 v. Chr.) nachgewiesen ist. Schon die Ägypter und die Griechen setzten den aus seinen Kapseln gewonnenen Saft gezielt zu medizinischen Zwecken ein. Auch die Verwendung von Mohnsamen zu Speisezwecken war weit verbreitet. Später dann brachten die römischen Legionen des Julius Caesar und seiner Nachfolger Mohn bis nach England und Schottland. Im Mittelalter in vielen medizinischen Abhandlungen als Heilpflanze erwähnt, nimmt in der Neuzeit die Nutzung des Mohnsamens zum direkten Verzehr und zur Ölherstellung eine größere Bedeutung ein.

Mohn bevorzugt Böden in gutem Kulturzustand

Mohn verfügt über eine kräftige Pfahlwurzel mit starken Seitenwurzeln. Bei einer Wuchshöhe von ca 1 bis 1,6 m verzweigt sich der Stengel erst im oberen Drittel der Pflanze. Am Stengelende bildet er eine rote, violette oder weiße Blüte mit einem dunklem Zentralfleck aus. Der Blühtermin ist etwa Anfang Juli, die Blühdauer der Bestände beträgt 10-14 Tage. Nach der Blüte bildet sich eine runde oder eiförmige Kapsel. Man unterscheidet sogenannte Schließ- oder Schüttmohne. Die modernen Sorten sind in der Regel Schließmohne, deren geschlossene Kapseln den vorzeitigen Samenausfall verhindern.

Besonders gut geeignet für den Mohnanbau sind humusreiche Böden ab ca. 40 Bodenpunkten in gutem Kulturzustand, die sich im Frühjahr schnell erwärmen. Auf Bodenverdichtungen, Verschlämmungen oder Beschattung durch Bäume reagiert Mohn empfindlich. Insbesondere bei mechanischer Unkrautregulierung sind steinarme oder -freie Böden zu bevorzugen

Sorgfältige Saatbettbereitung wichtig

Die Saatbettbereitung muß sehr sorgfältig durchgeführt werden. Mohn benötigt ein ebenes, gut rückverfestigtes und feines Saatbett. Frühe Aussaattermine ab Ende März ermöglichen die Ausbildung von kräftigen Einzelpflanzen. In spätfrostgefährdeten Lagen sind spätere Saattermine in der letzten April-Dekade vorteilhaft, da Mohn frostempfindlich ist. Weil Mohn bei später Saat aufgrund der zunehmenden Tageslänge schneller in die generative Phase übergeht, muß die Aussaatstärke erhöht werden. Angestrebt wird eine Bestandesdichte von ca. 50-70 Pflanzen/m². Daraus ergibt sich eine Saatstärke von 0,5 - 0,7 kg/ha. Gut geeignet um die niedrige Saatstärke zu erreichen, sind Spezialsämaschinen für Feinsämereien, wie sie im Gemüsebau verwendet werden. Dies bestätigt auch Ralf Marold aus Mittelsömmern, der schon im letztem Jahr 18 ha seines biologische bewirtschafteten Betriebes mit Mohn bestellt hat und dabei positive Erfahrungen gemacht hat. Er legt besonderen Wert auf eine präzise, flache Aussaat um dem Mohn optimale Startbedingungen zu verschaffen. Ralf Marold schätzt darüber hinaus die gute Eignung des Mohns als Deckfrucht für konkurrenzschwache Untersaaten.

Bei der Aussaat mit konventioneller Drilltechnik ist eine Streckung des Mohnsaatgutes angebracht (z.B. mit abgetötetem Mohnsamen). Mohn kann auf einfachen Getreidereihenabstand gedrillt werden, ist eine mechanische Unkrautregulierung geplant muß der Reihenabstand an die Hacktechnik entsprechend angepaßt werden. Die Aussaat muß flach 0,5 - 1cm tief erfolgen.

Eine gezielte Unkrautbekämpfung ist die Voraussetzung für optimale Erntequalitäten

Mohn hat eine langsame Jugendentwicklung, die gezielte mechanische oder chemische Unkrautregulierung hat deshalb hohe Priorität. Zur chemischen Unkrautbekämpfung in Mohn sind in Deutschland leider keine Pflanzenschutzmittel zugelassen. Geeignete Mittel sind aber vorhanden. Der Einsatz erfolgt auf eigene Gefahr des Anwenders.

Erste Pflanzenschutzversuche der Thüringer Landesanstalt für Landwirtschaft in Dornburg zeigten einen guten Bekämpfungserfolg mit dem Mittel Lentagran (1 l/ha) im Nachauflauf, eventuell im Splittingverfahren. Die Behandlung sollte nicht vor dem 4.-5. Blattstadium durchgeführt werden, um eine Schädigung der Mohnpflanze zu vermeiden. Auch eine gut ausgebildete Wachsschicht ist wichtig für eine gute Verträglichkeit.

Auch Boxer mit 3 l/ha im Nachauflauf ausgebracht überzeugte nicht voll in der Unkrautwirkung, da es insbesondere das Problemunkraut Weißer Gänsefuß nicht ausreichend bekämpft.

Problemlose Ernte

Der Erntezeitpunkt ist erreicht, wenn die Samen in den Kapseln beim Schütteln rascheln. Im Allgemeinen ist dies je nach Standort und Witterungsverlauf Mitte August bis spätestens Anfang September der Fall. Mohn sollte wenn möglich bei einer Feuchte von 8-9 % gedroschen werden. Falls notwendig kann zur Reifebeschleunigung das Mittel Reglone eingesetzt werden. Um eine optimale Lagerfähigkeit zu gewährleisten, dürfen die empfindlichen Mohnkörner beim Drusch nicht verletzt werden. Die Dreschkörbe sollten soweit geöffnet werden, daß die Kapseln gerade noch zerschlagen werden, zusätzlich sollte die Drehzahl der Dreschtrommel reduziert werden. Die Schüttler und der Wind sollten so eingestellt werden, daß viele Kapselteile im Erntegut verbleiben, um ein Quetschen der Mohnsamen in den Schnecken und Elevatoren zu vermeiden. Diese groben Verunreinigungen lassen sich beim ersten Reinigungsgang problemlos entfernen. Die Praxiserträge liegen bei 10-15 dt/ha. In Spitzenjahren sind Erträge bis 20 dt/ha möglich.

Der deutsche Markt wird bisher durch Importe versorgt

Jährlich werden in Deutschland etwa 7000 bis 8000 to Mohn zu Back- und Speisezwecken verbraucht. Dieser Bedarf wird ausschließlich durch Importe gedeckt. Wichtigste Erzeugerländer sind die Türkei, Tschechien, Ungarn und Australien. Der Marktpreis ist größeren Schwankungen unterworfen, je nach Angebot auf dem Weltmarkt. Im Juli bis September 1998 lag er z.B. bei 1,60 bis 1,80 DM/kg, stig dann auf 2,20 bis 2,30 DM/kg um dann am Anfang diesen Jahres auf etwa 3,50 DM/kg zu steigen.

Vor dem Anbau Abnahmeverträge schließen

Da bei dem Anbau von Mohn keine EU-Beihilfe gezahlt wird ist eine gute Vermarktung das A und O. Die höchsten Marktleistungen lassen sich bei einem Verkauf als Backmohn erzielen. Uwe Schmidt, Betriebsleiter der SON AGRO im thüringischen Sonneborn hat sich vor dem diesjährigen Anbau durch eine Abnahmegarantie abgesichert. Er plant 1998 30 ha Mohn der morphinarmen Sorte Przemko anzubauen. Bei einem kalkulierten Ertrag von 12 dt/ha rechnet er mit einem Deckungsbeitrag der dem von 70 dt/ha Weizen entspricht. Zusätzlich schätzt er auch den hohen Vorfruchtwert des Mohns. Herr Schmidt weiß wovon er spricht, denn schon 1990, damals noch mit der inzwischen aus der deutschen Sortenliste gestrichenen Sorte Neuga, konnte er erste Anbauerfahrungen sammeln.

Nach seiner Einschätzung ist qualitativ hochwertiger Backmohn aus deutscher Erzeugung für viele Abnehmer durchaus interessant, da ausländische Ware oft schlechtere Qualitäten aufweist. Die Abnehmer bevorzugen backfertige Ware mit einem stahlblauen Farbton und einer hohen Reinheit. Die Partien dürfen nicht mit Pilzen behaftet sein. Wichtige Vorausetzung um eine hohe Qualität zu erzielen ist eine sorgfältige Reinigung. Die Reinigungsanlage sollte am besten mit einem Tischausleser ausgerüstet sein. Eine Verunkrautung mit Arten, die kleine Samen ausbilden, z.B. Gänsefuß und Melde, ist besonders problematisch bei der Reinigung des Erntegutes, da diese Samen nicht vollständig entfernt werden können. Hier muß mit entsprechend sorgfältiger Unkrautbekämpfung im Feld vorgebeugt werden. Bei der Lagerung sollten maximale Schütthöhen von 80 cm eingehalten werden, gegebenenfalls muß die Möglichkeit der Belüftung gegeben sein. Gute Preise lassen sich bei der direkten Vermarktung an größere Bäckereiketten erzielen, die oftmals einen Jahresbedarf von 0,5 bis über 1 to haben. Im Mittel der Jahre dürfte hier der Preis zwischen 1,60 bis 2,20 DM/kg liegen.

Als Alternative bietet sich die Vermarktung an Ölmühlen an. Mohnöl ist ein wertvolles Speiseöl mit einem hohen Anteil an ungesättigten Fettsäuren, insbesondere Linolsäure. Der Ölgehalt im Samen liegt bei 40-45 %. Der Preis bei dieser Vermarktungsschiene liegt allerdings niedriger. Übrigens darf Mohn nicht als nachwachsender Rohstoff auf stillgelegten Flächen angebaut werden, obwohl das Öl zu hochwertigen Farben und Lacken weiterverarbeitet werden kann.

Anbau weiterhin genehmigungspflichtig

Obwohl die Sorte Przemko als morphinarme Sorte für Drogenzwecke nicht geeignet ist, ist der Anbau weiterhin genehmigungspfichtig, da die entsprechenden Gesetze noch nicht geändert sind. Vor dem Anbau muß von der Bundesopiumstelle in Berlin eine betäubungsmittelrechtliche Erlaubnis erteilt werden. Der Anbau ist jedoch nicht mehr mit den hohen Auflagen verbunden, wie vor der Zulassung der morphinarmen Sorte. Nähere Auskünfte erteilt die Bundesopiumstelle, Genthiner Straße 38, 10785 Berlin, Tel: 030-45 48 51 01.

Vorabdruck aus dem DSV-Magazin INNOVATION 1/98

Fruchtfolge im Wandel der Zeit Fruchtfolge in der Praxis Pflanzen- wechselwirkungen Nachwachsende Rohstoffe Begriffsindex