Blaumohn

Anbauhinweis

Artikel: Mohn - Eine alte Kulturpflanze erwacht aus ihrem Dornröschenschlaf

am IfUL wird derzeit ein Versuch zur chemischen und mechanischen Unkrautbekämpfung im Blaumohn durchgeführt, Ansprechpartner: Jürgen Maier


Blaumohn Przemko

(Papaver somniferum)

Die Blaumohnsorte Przemko ist die gegenwärtig einzige zugelassene morphinarme Mohnsorte in Deutschland. War vor der Zulassung von Przemko ein Anbau von Schlafmohn aufgrund der Bestimmungen des Betäubungsmittelgesetzes mit hohen Auflagen verbunden und unwirtschaftlich, so ist jetzt der großflächige Mohnanbau wieder möglich. Przemko verfügt über eine kräftige Pfahlwurzel mit starken Seitenwurzeln. Bei einer Wuchshöhe von ca 1 m verzweigt sich der Stengel erst im oberen Drittel der Pflanze. Am Stengelende bildet Przemko eine weiße Blüte mit einem violetten Zentralfleck aus. Der Blühtermin ist etwa Anfang Juli, die Blühdauer beträgt 10-14 Tage. Nach der Blüte bildet sich eine runde geschlossene Kapsel. Przemko ist sehr standfest. Die blauen Samen haben ein TKG von 0,5 g und einen Ölgehalt von ca. 40 bis 45 %. Das Fettsäuremuster weist einen hohen Anteil an Linolsäure (60-75 %), Ölsäure (10-22 %) und Palmitinsäure (10-12 %) auf.

Verwendung: Mohnsamen in Bäckereien, Mohnöl als Speiseöl, Kapseln als Dekorations- und Bastelmaterial, Linolsäure als Grundstoff für Farben und Lacke.

Anbauanleitung

Standort:

Besonders gut geeignet sind humusreiche Böden ab ca. 40 Bodenpunkten in gutem Kulturzustand, die sich im Frühjahr schnell erwärmen. Auf Bodenverdichtungen und Verschlämmungen reagiert Mohn empfindlich.

Aussaat:

Die Saatbettbereitung muß sehr sorgfältig durchgeführt werden. Mohn benötigt ein ebenes, gut rückverfestigtes und feines Saatbett. Frühe Aussaattermine ab Ende März ermöglichen die Ausbildung von kräftigen Einzelpflanzen. In spätfrostgefährdeten Lagen sind spätere Saattermine in der letzten Aprildekade vorteilhaft, da Mohn frostempfindlich ist. Weil Mohn bei später Saat aufgrund der zunehmenden Tageslänge schneller in die generative Phase übergeht, muß die Aussaatstärke erhöht werden. Angestrebt wird eine Bestandesdichte von ca. 50-70 Pflanzen/m². Daraus ergibt sich eine Saatstärke von 0,5 - 0,7 kg/ha. Gut geeignet um die niedrige Saatstärke zu erreichen, sind Einzelkornsämaschinen für Feinsämereien, wie sie im Gemüsebau verwendet werden. Bei Aussaat mit konventioneller Drilltechnik ist eine Streckung des Mohnsaatgutes angebracht (z.B. mit abgetötetem Mohnsamen). Przemko kann auf einfachen Getreidereihenabstand gedrillt werden. Soll der Bestand gehackt werden, beträgt der Reihenabstand 30-40 cm. Die Aussaat muß flach 0,5 - 1cm tief erfolgen.

Düngung (je nach Bodenvorrat):

Grunddüngung: bis 80 kg P2O5 pro ha bis 100 kg K2O pro ha

N-Düngung: 80 kg N/ha; 2/3 zur Saat, 1/3 im 4 bis 6-Blattstadium

Achtung: Mohn hat einen hohen Borbedarf! Bei Bormangel ist eine Gabe von 100 g Bor/ha angebracht.

Pflanzenschutz:

Eine Unkrautregulierung kann mechanisch oder chemisch erfolgen. Zur chemischen Unkrautbekämpfung in Mohn sind in Deutschland keine Pflanzenschutzmittel zugelassen. Geeignete Mittel sind aber vorhanden. Der Einsatz erfolgt auf eigene Gefahr des Anwenders. Die Behandlung sollte nicht vor dem 4.-5. Blattstadium durchgeführt werden, um eine Schädigung der Mohnpflanze zu vermeiden. Auch eine gut ausgebildete Wachsschicht ist wichtig für eine gute Verträglichkeit der Pflanzenschutzmittel. Eine Verunkrautung mit Arten, die kleine Samen ausbilden, z.B. Gänsefuß und Melde, ist besonders problematisch bei der Reinigung des Erntegutes, da diese Samen nicht vollständig entfernt werden können. Eine hohe Reinheit ist aber ein wichtiges Kriterium bei der Vermarktung. Von den pilzlichen Krankheitserregern sind vor allem der Wurzelbrand und der falsche Mehltau erwähnenswert. Schadinsekten sind der Mohnwurzelrüßler, der Mohnkapselrüßler und insbesondere Blattläuse.

Ernte:

Der Erntezeitpunkt ist erreicht, wenn die Samen in den Kapseln beim Schütteln rascheln. Im Allgemeinen wird die Druschreife Mitte August erreicht. Przemko hat als Sorte mit geschlossenen Kapseln eine geringe Ausfallneigung und kann bei der optimalen Feuchte von

8-9 % gedroschen werden. Die Praxiserträge liegen bei 10-15 dt/ha.

Mähdreschereinstellung:

1. Motordrehzahl des Mähdreschers reduzieren.

2. Dreschkorb so weit öffnen, daß die Kapseln gerade noch zerschlagen werden.

3. Drehzahl des Dreschkorbes reduzieren.

4. Reinigung (Schüttler und Winde) so einstellen, daß viele gebrochene Kapselteile im Ernteprodukt verbleiben, um ein Quetschen der Mohnsamen bei Schnecken und Elevatoren zu vermeiden. Diese groben Verunreinigungen lassen sich beim ersten Reinigungsvorgang leicht entfernen.

5. Wind um ca. 50 % reduzieren.

Sortenprofil:

  • Blüte: mittel
  • Reife: mittelfrüh
  • Standfestigkeit: sehr gut
  • Pflanzenlänge: mittel
  • Kornertrag: hoch
  • Ölgehalt: hoch
  • Morphingehalt in der TS: < 0,1 % (morphinarm)

Achtung!
Der Anbau von Przemko ist nur mit betäubungsmittelrechtlicher Erlaubnis der Bundesopiumstelle zulässig.

BfArM-Bundesopiumstelle
Genthiner Straße 38
D-10785 Berlin
Tel. 0(049) 30-45 48 51 01

Quelle: DSV, Lippstädter Sorteninfo

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